100 Tage medientauglich in Grün

Kathrin Adamski, 21.08.2011

100 Tage ist er nun im Amt und hat sich ganz schnell in die Herzen vieler Menschen „g´schwätzt“. Winfried Kretschmann, der erste grüne Ministerpräsident eines Bundeslandes und das ausgerechnet in Baden-Württemberg. Ein Bundesland, das Schwarz als gewohnte Regierungsfarbe trug und Politikern, deren Interviews man sich wegen ihrer Floskeln, Widersprüche und Nicht-Aussagen gerade hätte sparen können.

Da kommt er als primus inter pares an die Macht oder sollte man besser sagen, ans Steuer? Winfried Kretschmann  hält nämlich nichts von medialem Machogehabe und verbalem Muskelspiel oder Argumentations-Poker [Zitat: Ich bin von Haus aus ein Skeptiker und passe so gesehen gar nicht in die Politik…alle wollen auf einmal etwas von mir. Ich komme mir plötzlich so wichtig vor]. Kretschmann ist ein Mensch, dem man das  Engagement für sein „Ländle“ wahrlich anmerkt. Er wirkt nicht gekünstelt, ist bodenständig, zurückhaltend, freundlich und trotzdem auf den Punkt ohne Schnörkel, Worthülsen und Co. Und wenn er auf die Frage eines Journalisten keine Antwort weiß, dann sagt er das auch so - ohne als grüner Politiker rot zu werden und immer mit einer freundlichen kommunikativen und interpersonellen Geste [Zitat: Wenn ich nach Umfragen gefragt werde, warum Sie sinken, das kann ich nicht beantworten, weil das wüsste ich ja selbst gern. Sie sollten da besser einen Menschen aus der empirischen Sozialforschung fragen und nicht mich].

Selbst wenn Winfried Kretschmann zig Interviews und Statements zum gleichen Thema geben muss,  tut er es mit einer unglaublichen Gelassenheit und Geduld. Die "westerwellischen" Danke-Danke-Gesten kennt er genauso wenig wie das Vorbeihasten an wartenden Kamerateams.

Aber es gibt auch noch andere Gründe, warum Baden-Württembergs Ministerpräsident  in den Medien gut rüberkommt: Mögen sich Parodisten manches Mal über Winfried Kretschmanns etwas gemütliche Art zu sprechen amüsieren, für uns Zuhörer ist das Sprechtempo durchaus angenehm. Wie genießen so mundgerechte, leicht verdauliche Informationshappen zu komplexen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen.  Doch was Winfried Kretschmann besonders gut kann ist, Dinge mit einfachen Worten, kurzen Sätzen und ohne floskelhafte Schnörkel kund zu tun – auch bei kniffligen Fragen zum Regierungsstil [Zitat: Wir wollen mehr mit den Leuten reden und dann entscheiden und nicht umgekehrt]. Kurz, klar und einprägsam. 

Und noch eines zeichnet Kretschmann in seinen Medienauftritten aus. Seine ausgeprägte Gefühlswelt. Er verblüfft immer wieder durch eine Bildsprache, die spontan und untrainiert geradezu aus seinem Mund fließt. So hat Politik für ihn viel mit Gartenarbeit gemein, denn “Gartenarbeit ist etwas Wunderbares. Es kann entspannen, man sieht etwas wachsen, man sieht Erfolge, man ärgert sich manchmal, wenn die Schnecken etwas abgefressen haben – also es ist alles dabei“. Genau wie in der Politik. Wer in der Lage ist, eine solche bildhafte Sprache spontan zu nutzen, kann das nur, wenn er mit den zugehörigen inneren Bildern und Emotionen verbunden ist. Dann aber ist es ein Kinderspiel. Und genauso spielerisch und natürlich tritt Kretschmann in Interviews auf.

Doch eine Schwäche hat auch er. Vor allem, wenn es um grüne Politik, die Vergangenheit der Partei, aber auch um Visionen geht, kann Kretschmann gerne mal die Zeit vergessen. Denn er redet mit Leuten „auf Augenhöhe und ganz normal“, aber eben auch gern etwas zu lang.

Unser 100-Tage-Fazit: Kann sich sehen und hören lassen und hat noch Potential. Weiter so Herr Kretschmann!

Quellen der Zitate: SWR Nachtcafe, SWR Zur Sache Baden-Württemberg, Wir-reden-mit, Tagesschau, youtube


Die Autorin

BMTD
Kathrin Adamski

Kontakt: www.redefluss.de