Wer hat hier ein Problem?

Interview mit Katars FIFA-Funktionär Mohammed bin Hammam
 
Dr. Katrin Prüfig, 09.12.2010
 
Nun müssen unsere Fußballer also tatsächlich bei 50 Grad im Schatten in Katar kicken – 2022, wenn die Entscheidung der FIFA rechtlich Bestand hat. Die Vergabe an Russland (WM 2018) und Katar seitens der FIFA am 2.12.2010 – eine Farce, wenn es um Fairplay geht. Das zeigt ein Interview mit Mohammed bin Hammam – dem obersten Fußball-Funktionär in Katar. Gegenüber dem Reporter der ARD gibt Mr. Mohammed zu Protokoll, dass es natürlich Absprachen unter anderem mit Spanien gebe. Wenn Katar für Spanien stimmt, stimmt Spanien für Katar, das sei doch vernünftig. „Ich habe damit überhaupt kein Problem. Die einzigen, die damit ein Problem haben, seid Ihr, die Journalisten“, sagt er zum Reporter. Wenn er damit mal nicht falsch liegt. Der Katari macht mit dieser Äußerung zwei große strategische Fehler: Erstens wechselt er die Kommunikations-Ebene und spricht den Journalisten direkt an, anstatt ihn als das zu sehen, was er ist – ein Vertreter der Interessen des Publikums. Plötzlich wird eine Front aufgebaut zwischen Interviewer und Interviewtem, dabei fragt der Interviewer ja nur stellvertretend für Milliarden Fußballfans weltweit. Mohammed bin Hammam tut das, was wir auch von deutschen Politikern kennen: Er will den Journalisten als Bedenkenträger hinstellen, als jemanden, der mit seiner Meinung oder seiner Herangehensweise an ein Thema isoliert ist.
 
Und genau darin liegt der zweite Fehler: Mr. Mohammed verkennt in seiner Borniertheit, dass sich die Mehrzahl der Fans und der Zuschauer eine „saubere“ WM-Vergabe wünscht. Eine Wahl des Austragungsortes, die sich daran orientiert, wie gut und erfolgreich der Wettbewerb in einem Land ausgetragen werden kann. Was aus seiner Funktionärssicht „kein Problem“ ist, finden viele Unbeteiligt zutiefst unmoralisch und abstoßend. Natürlich haben die Fans das vermutlich wieder vergessen, wenn in Katar das Eröffnungsspiel angepfiffen wird. Aber wäre bin Hammam Mitglied einer deutschen Partei, könnte er sich bei der nächsten Sonntagsfrage die Quittung für seine Äußerungen holen.


Die Autorin

BMTD
Dr. Katrin Prüfig

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