Frau Lierhaus, warum muten Sie sich das zu?

Stefan Klager, 24.05.2011

Medientrainer werden um Beratung gefragt. Diejenigen, die fragen, bekommen Antworten. Ehrliche Antworten. Hätte Monica Lierhaus mich als Medientrainer gebeten, sie für die erste Sendung „Fernsehlotterie“ (gestern, 21. Mai 2011), in der die Gewinner bekannt gegeben werden, fit zu machen, hätte ich den Auftrag abgelehnt. Ich hätte ihr grundsätzlich abgeraten, ein Comeback als Moderatorin zu versuchen. Warum? Rein aus menschlicher und ethischer Sicht. Um sie zu schützen!

„Das gespenstische TV-Comeback der Monica Lierhaus“ titeln die Gazetten heute. Und weiter heißt es: „Starres Gesicht, weit offene Augen, maschinelle Aussprache: Monica Lierhaus´ Rückkehr geriet zu einer Zurschaustellung der Moderatorin.“ Ja, so empfindet es der Zuschauer. So empfindet es der Zuschauer, der die Monica Lierhaus aus vergangenen Tagen kennt – nämlich als selbstbewusste, versierte und eloquente Journalistin und Moderatorin. Erst durfte nichts über die Ursachen ihres plötzlichen Verschwindens aus dem Rampenlicht bekannt werden, dann wurde das Comeback bei der diesjährigen Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin hollywoodreif inszeniert, inklusive Hochzeitsantrag.

Allein schon der Berliner Auftritt - aber noch viel mehr die gestrige Sendung - ruft Mitleid hervor. Während Frank Elstner als Moderator dieser Mini-Sendung auftrat, agiert Lierhaus als Botschafterin – ein kleiner, aber feiner Unterschied. Und eine – wenn auch nur nuancenhafte, aber doch spürbare – Distanzierung der ARD von der Moderatorin Lierhaus? Das Geld der Fernsehlotterie fließt in soziale Projekte. Projekte für Menschen, die von der Gesellschaft nicht vergessen werden dürfen. Schlage ich mich gerade mit meinen eigenen Waffen? Warum – und nun kratze ich an einem Tabu – warum eine Sendung, in der es um solche Projekte geht, dann nicht auch jemanden aus deren Reihen moderieren lassen? Gute Idee! Jedem behinderten Menschen, dem man diese Aufgabe übertragen würde, könnte als Gewinner dastehen, denn jeder Zuschauer würde ihr oder ihm größten Respekt zollen. Das allerdings funktioniert mit der Prominenz einer Monica Lierhaus nicht. Jeder kennt sie aus anderen Zeiten: Ihr wird heute nur Mitleid entgegengebracht. Und Mitleid ist das, was kein Mensch braucht! Schon gar kein in seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten eingeschränkter Mensch! So bleibt der fade Beigeschmack: Doch nur alles des Geldes wegen? Sei´s drum – jeder hat sein Recht, wirtschaftlich zu denken und sich und seine Arbeit zu vermarkten. Aber ich bleibe dabei: Kein Medientraining für Frau Lierhaus! Jeder weitere TV-Auftritt schadet ihrer Seele. 


Der Autor

BMTD
Stefan Klager

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