Hellgrün in die vierte Legislaturperiode


Angela Merkels Blazer-Anpassung

BMTD-Gastbeitrag von Stil-Expertin Elisabeth Motsch, 30.05.2017

Politikerinnen haben es heute schwer. Sollen sein wie du und ich, aber doch mit einem gewissen Style. Nicht zu männlich, nicht zu abgehoben. Nicht besonders auffallen, aber doch bitte authentisch. Dabei steht gerade bei Politikerinnen die Freude am guten Aussehen weit hinten auf der Agenda. Bei dem großen Arbeitspensum bleibt kaum Zeit, sich um den eigenen Stil zu kümmern. Angela Merkel hat erfolgreich einen Weg aus diesem Dilemma gefunden: Struktureller Einheits-Look, innerhalb dessen variiert wird: Blazer und Hosen dazu.

Expertin-Blick auf den Merkel-Style

Merkel hat mit Mode nichts am Hut. Als Physikerin und Frau, ohne Mode-Gen, mit ganz anderen Interessen, musste sie sich gezwungenermaßen in ihrer Rolle dem Druck, etwas aus sich zu machen, beugen. Ihre Figur ist nicht leicht zu kleiden, in Röcken fühlt sie sich vermutlich nicht wohl. Aber sie weiß, dass gerade in ihrer Rolle Kleider Leute machen und dass Deutschland würdig zu vertreten ist. Das hat sie trotz all der üblichen Kritik bisher sehr gut gemeistert und das Beste draus gemacht.
Stellen Sie sich vor, sie würde auf einmal mit schicker Frisur und modischer Kleidung auftreten. Die Welt würde sich darauf stürzen, die Zeitungen wären voll vom neuen Look der Kanzlerin.
Die Aufmerksamkeit wird auf etwas gelenkt, was sie weder ist noch sein will. Ihre Inhalte sind ihr und vielen anderen wichtiger, als eine gewisse Extravaganz.

So wenig Veränderung wie möglich, so viel wie nötig

Ja es gibt sie die Veränderung. Deutlich genug, um bemerkt zu werden. Subtil genug, um kein politisches Thema zu werden. Nach wie vor Blazer mit Hose und kurzen Ketten. Mehr Farbe, größere Varianz in Knöpfen und Kragen. Damit entspricht sie auch einem generellen deutschen Grundprinzip: nix Disruptives, bitte. Wenn Veränderung, dann in kleinen Schritten. Aber selbst Angela Merkel, die Beständigkeit in Person, hat Lust auf etwas Veränderung. Sie wollte vermutlich den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen und den Wunsch nach ein bisschen mehr Chic entsprechen. Und Ihre Designerinnen haben es ihr wahrscheinlich auch zugeraten.

Luft nach oben ist immer, aber bei ihr nicht mehr sehr viel. Darum ist die subtile Veränderung in ihren Blazern und Accessoires auch so bemerkenswert. Mal einen schicken Stehkragen, der ein wenig wie ein Kelch wirkt oder ein wenig mehr Ausschnitt und einen Schalkragen. Mehr Highlights durch die Highlights. Ohne am Morgen zu viel nachdenken zu müssen, welche Kette zu welchem Blazer passt, oder ob sie den Blazer beim letzten öffentlichen Auftritt/Staatsbesuch auch schon getragen hat.

Ich würde ihr raten, zu den bunten Blazern statt schwarzer Hose/schwarzes Shirt häufiger anthrazit oder mittelblau tragen. Wirkt harmonischer zu den blonden Haaren.

Merkel und ihr Team haben so viel Erfahrung mit öffentlichen Auftritten gesammelt, dass sie genau wissen, welcher Blazer zu welchem Anlass besonders wirkt. Merkel sagte in einem Interview: „Es gibt Anlässe, da muss ich dunkle Farben tragen. Dann gibt es manchmal Hinweise, dass man vor einem weißen Hintergrund stehen wird, da muss es nicht der helle Blazer sein. Manchmal habe ich spontan Lust, etwas leuchtend Farbiges anzuziehen. Und oft ist gar keine Zeit, sich damit lange zu befassen, dann ist die Farbe reines Zufallsprodukt.“

Style-Bildung a la Kanzlerin


Der rote Blazer wirkt flott, die Öffnung zeigt das Shirt und die Farbe der Knöpfe harmoniert sehr gut dazu.
Foto: © Armin Linnartz, Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de


Auf diesem Bild wirkt sie weiblicher – steht ihr ausgezeichnet. Die Farbe ist in ihrer Führungsrolle zu hell. Sie hat mit dieser Farbe keine Gewichtung. Aber trotzdem ist das ein sehr schicker Blazer, besonders mit den etwas größeren Knöpfen.
Foto: © White House photo by Eric Drape


Ein Schalkragen wirkt feminin und gibt ihr mehr Weiblichkeit. Dieser helle Hummerton wirkt frisch.
Foto: © JouWatch, CC BY-SA 2.0


Ganz aktuell, ganz klasse: frisches Grün mal bei Putin, mal zum Evangelischen Kirchentag. Damit ist sie auf jeder Bühne deutlich sichtbar.
Foto: © President of Russia


Ein etwas älteres Bild – ein etwas tieferer Ausschnitt. Das steht ihr sehr gut, sie wirkt weniger zugeknöpft. Könnte sie ruhig öfter schneidern lassen.
Foto: © President of Russia


Zum Weiterlesen

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

Gastbeitrag von Stil-Expertin Elisabeth Motsch

Weitersagen!

Empfehlen Sie diesen Artikel:


Besuchen Sie den BMTD auch auf Facebook