Sebastian Vettel – weltmeisterlich auch vor dem Mikrofon
Katrin Prüfig, 3.11.2011
"Ja, Jungs, wir haben es geschafft!", soll Sebastian Vettel in den Boxenfunk gebrüllt haben – nach dem ersten Formel 1-Rennen in der Geschichte Indiens. Das er natürlich wieder gewonnen hat. Dieser Satz ist noch nicht wirklich bemerkenswert. Dann schon eher der folgende, kurze Dialog, aufgeschnappt von einem Journalisten: "Fantastische Fahrt", wird Vettel von Teamchef Christian Horner gelobt. Seine Antwort: "Danke für die harte Arbeit!“
Vettel ist ein Teamplayer – und muss es in diesem Sport auch sein. Aber dass er wie selbstverständlich sein Team fast immer mit einbezieht in seine Äußerungen, das fällt schon auf. Das ist der eine Baustein, der seine Interviews so sympathisch macht, so uneitel.
Der zweite Baustein: Vettel ist immer voll da, wenn ein Mikrofon samt Kamera auf ihn gerichtet ist. Er schaut sein Gegenüber konstant mit klarem Blick an. Sucht nicht auf den Zehenspitzen oder im Flutlicht nach Worten, wie viele Fußballer-Kollegen, die so manchen Reporter keines Blickes würdigen, obwohl sie gerade auf dessen Frage antworten.
Vettel schaut neugierig, offen und konzentriert zugleich. Der 24jährige lässt sich – so scheint es zumindest – voll ein auf die Situation und sein Gegenüber. Er will keine vorgestanzten Phrasen absondern. Er wählt eine einfache Sprache, die man ihm sofort abnimmt. Er habe „sich wohlgefühlt nach den ersten fünf Runden“, und dann habe er eben „geschaut, ob er das Tempo noch erhöhen kann!“ Okay, das sind keine Sätze für die Ewigkeit. Keine bis dato unbekannten Weisheiten. Aber WIE er es sagt, das zählt. Und das prägt sein Image als sympathischer und fairer Sportler.
Ich wünsche ihm, dass er diese Mischung aus Authentizität, Offenheit, Neugier und Gelassenheit auch dann noch beibehält, wenn er mal wieder anderen hinterherfährt. Und vielen anderen Sportskollegen wünsche ich eine saftige Portion mehr Vettel vor Mikrofon und Kamera.

