Sänk ju for spieking in se meikrofon, Herr Huber!
Stefan Korol, 22.12.2010
„Wenn Fahrgäste erbost oder genervt sind, weil sie später ankommen, als sie sich das gewünscht haben, dann werden wir natürlich versuchen, so freundlich wie möglich mit ihnen umzugehen, wir werden zusehen, dass wir sie an den Bahnsteigen entsprechend betreuen, aber wir werden sicherstellen, dass sie tatsächlich Weihnachten zuhause verbringen können.“
Berthold Huber, Vorstand DB Fernverkehr am 21. Dezember in der Tagesschau
Deutschland im Dezember, der Winter hat das Land fest im Griff. Straßen, Schienen und Landebahnen sind eingeschneit; Autofahrer, Bahnreisende und Fluggäste kommen Stunden oder Tage später an als geplant. Stress, Wut, manchmal gar Verzweiflung. Und dann dieses Statement. Was will uns Herr Huber damit sagen? Vor allem, dass er keine Ahnung hat, wie er die Probleme in den Griff bekommen will. 
Er gibt zunächst einmal zu, dass es erboste und genervte Fahrgäste gibt. Was für eine Erkenntnis. Dann bringt er zum Ausdruck, dass die Bahn etwas versuchen möchte: freundlich mit Menschen umzugehen. Das lässt natürlich viele Hintertüren offen, schließlich hat er ja gesagt, dass man es nur versuchen werde. Bleibt die Frage, was eine entsprechende Betreuung am Bahnsteig ist. Für Fahrgäste ist das klar: Ein Zug, der sie von hier nach da bringt. Aber auch das ist ja nur eine Ankündigung von Herrn Huber: „Wir werden zusehen....“. Wahrscheinlich ist aber das wortwörtlich gemeint: Chaos bei der Bahn – und die Bahn sieht zu. Ach ja, und dann kommt ja doch noch eine Nachricht: Weihnachten zuhause. Oh, Herr Huber, ist das nicht eine wagemutige zusage? Nein. Denn wir haben den 21. Dezember. Und damit bleiben noch 72 Stunden. Und das wird ja selbst die Deutsche Bahn schaffen.
Fazit: Eine Aneinanderreihung von Banalitäten. Keine Struktur, keine Aussage, keine Kompetenz. Sänk ju for spieking in se meikrofon, Herr Huber!

