Wahl-Blog 2017: Schräges Englisch, klares Deutsch


Wolfgang Schäuble traut sich was

Kathrin Adamski, 03.04.2017


Wolfgang Schäuble: Warum sich über Englisch den Kopf zerbrechen, wenn es Deutsch auf jeden Fall klappt. (Foto: Franziska Kaufmann/Archiv Schwäbischer Verlag)


Auf dem Landesparteitag der CDU in Baden-Württemberg ist Wolfgang Schäuble mit knapp 96 % der Delegierten-Stimmen zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl in Baden-Württemberg gewählt worden. Zum achten Mal.

Ein Mann, der für Kontinuität, Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen und vor allem deutliche Worte steht – auch, wenn die in englischer Sprache nicht ganz so treffsicher sind wie in seiner Muttersprache: dem Badischen. Und mancher mag sich fragen, was Wolfgang Schäuble mit dem ein oder anderen englischen Satz wohl hat sagen wollen. Sein eigenwillig formuliertes Ultimatum

„28. 24 Uhr isch over!“

(auf Deutsch: „Am 28. um 24 Uhr läuft das Ultimatum ab!“) in der Griechenlandkrise hat ihn nicht gerade mit Kompetenz-Lorbeeren geschmückt.

Auch das deutsche Zitat „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“ erntet auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang des Jahres mit seiner Übersetzung

„you never eat as hot as it is cooked“

viele peinlich berührte Schmunzler.

Doch trotz mäßigem Englisch: Wolfgang Schäuble wird verstanden, seine Kompetenz steht in Europa außer Frage. Sein Wort hat Gewicht. Warum? Weil er Klartext redet. Zumindest in Deutsch: Keine Schnörkel in der Wortwahl, keine Schleifchen im Satzbau, kein Weichspülen von Formulierungen.

Als dienstältestes Mitglied der Regierung scheint er sich keinen Kopf darüber zu machen, was andere von ihm denken, wenn er sagt, was er denkt. Hier ein paar Beispiele:

„Wenn Frau Le Pen Ministerpräsidentin von Frankreich würde und wenn Sie das macht, was sie ankündigt, dann wäre die europäische Union in einer existentiellen Krise.“
„Der Brexit wird wahrscheinlich ein bisschen länger dauern, die Briten werden schon noch sehen, was sie da entschieden haben.“
„In Griechenland ist das Problem, dass sich Griechenland einen höheren Lebensstandard leistet als Griechenland erwirtschaftet.“

(alles aus „Maischberger“, Das Erste 8.2.2017)

Die Welt in einem Satz erklären, das ist es, was Wolfgang Schäuble besonders gut kann und gerne macht. Und weil wir Zuschauer jeden Satz so einfach verstehen, fühlen wir uns auf Augenhöhe mit einem „Experten“, der die Geschicke der Weltpolitik lenkt. Er macht uns Zuschauer groß, er macht uns kompetent, weil wir glauben zu verstehen, wie Weltpolitik funktioniert.

Denn das Geheimnis der Klarheit lautet: Machst Du es klar, dann wird es einfach. Ist es einfach, wirst Du verstanden. Wirst Du verstanden, dann bleibst Du im Kopf. Es wird merk-würdig, im besten Sinne von „zu merken würdig“.

Wir dürfen also gespannt sein, wie Wolfgang Schäuble den Wahlkampf bestreitet und ob er es schafft, das Wahlprogramm der CDU ebenfalls in wenigen Sätzen so klar und schnörkellos zu beschreiben, wie die Kampfansage an den bisherigen Koalitionspartner SPD:

"Jetzt haben wir so nett mit der SPD regiert. Jetzt sollten wir ihr auch den Gefallen tun und sie wieder in die Opposition schicken."

(Landesparteitag 25.3.2017).

Mal sehen, ob es am Abend des 24. September dann heißt: „coalition isch over“ oder „you never eat as hot as it is cooked“.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Kathrin Adamski

Kontakt: www.redefluss.de

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