Seehofers Absturz

Stefan Korol, 15.03.2011

Wir erinnern uns: Januar 2002; Edmund Stoiber will mit einer grandiosen Rede den Weg frei machen für den Transrapid zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und Flughafen. Und schiebt den Hightech-Zug dadurch endgültig ins Aus:

"Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München ... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug…“

Ja, zu schade, dass sich die EU unseres Stoibers an- und ihn uns weggenommen hat und damit auch seine uns erheiternden O-Töne. Doch seit einiger Zeit schon gab und gibt es einen Hoffnungsschimmer – und der ist seit gestern Gewissheit: Ministerpräsident Seehofer ist angetreten, nicht nur das politische Vermächtnis Stoibers fortzusetzen, sondern auch sein rhetorisches. Mit seinem Statement zur Abschaltung des AKW Isar 1 in der Tagesschau hat Seehofer eindrucksvoll gezeigt, dass er das Zeug dazu hat, mit seinem Vorgänger in Sachen verquaste Gedanken und Kreisverkehr-Sätze mindestens gleichzuziehen:

„In Isar 1 dürfen wir jetzt, ..äh…was die Flugzeugabstürze betrifft nicht nur nach…. Wahrscheinlichkeiten gehen,  äh.. sondern …äh…eben von der Möglichkeit ausgehen eines Flugzeugabsturzes oder -anschlages. Und alles was möglich ist, muss ausgeschlossen werden.“

Ja, sehr lustig. Vor allem, in Verbindung mit Seehofers typischer „und wir haben uns doch hier auch alle lieb, oder?“-Mimik. Okay, Spötter würden das eher als Dauer-Grinsen bezeichnen. Aber weil der Anlass fürs Statement und für die Abschaltung von
Isar 1 die Tragödie in Japan ist, und weil mit den Gefahren von Atomkraftwerken grundsätzlich nicht zu spaßen ist, sollten wir ernsthaft schreiben, was es zu diesem Statement zu sagen gibt:

Ausschließen müssen wir, dass es auch nur einen Zuschauer gibt, der weiß, was Seehofer mit diesem Statement sagen will. Und die Wahrscheinlichkeit, oder sollen wir sagen: die Möglichkeit, ist groß, dass der bayrische Ministerpräsident das selber nicht weiß. Und so ist der Sinn dieser Aussage einfach nur der, dass Seehofer noch einmal deutlich machen wollte, dass nicht nur Flugzeuge abstürzen können. Sondern auch Ministerpräsidenten. Vor allem die aus Bayern.   


Der Autor

BMTD
Stefan Korol

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