Wahl-Blog 2017: Hört mich (k)einer?!
Cem Özdemir versucht´s mit Druck


Viel hilft nicht viel – warum übermäßiger Druck in der Stimme nicht die Überzeugungskraft verstärkt

Kathrin Adamski, 19.06.2017


Özdemir druckvoll im Tagesschau-Bericht vom 16.06.2017 / Screenshot


Cem Özdemir – der schwäbische Deutsch-Türke an der Doppelspitze der Grünen. Er soll zusammen Katrin Göring-Eckardt dafür sorgen, dass die Grünen bei der Bundestagswahl auf Platz drei der stärksten Parteien landen. So das ausgegebene Ziel auf der Delegiertenversammlung der Grünen am Wochenende. Und Cem Özdemir versucht auf ganz eigene Weise, diesem Ziel Ausdruck zu verleihen: Nämlich mit Druck in der Stimme.

Egal, wann und wo er spricht, Cem Özedmir hat sich angewöhnt, seine Zuhörer mit stimmlichem „Nachdruck“ zu überzeugen. In jedem Satz hebt er an, als ob es der wichtigste Satz seiner Aussage wäre. Dem folgen dann allerdings unzählige weitere Sätze in gleicher Machart, viele mit inhaltlichen Schleifen und Kurven. Fast getrieben wirkt es, wenn er seine Stimme nur allzu oft am Satzende hebt. Und statt der natürlichen Sprachmelodie, in der man üblicherweise nur eine Betonung setzt, betont Özdemir auch gern mehrere Worte eines Satzes, gibt dem Stimmdruck immer wieder einen Impuls, hängt mit kurzen Satz-Pausen Gedanke an Gedanke oder macht Sprechpausen mitten im Satz, wo natürlicherweise keine Pause im Gedankenfluss entsteht.
http://www.tagesschau.de/inland/gruene-parteitag-145.html

Die Folge: Es entsteht ein Stakkato-Geleier ohne klare Signale, was Haupt- und Nebeninformationen sind, was sich der Zuhörer merken soll und was nur inhaltliches Beiwerk ist. Ebenso wenig wird sichtbar und hörbar, was Özdemir tatsächlich fühlt.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article163759287/Oezdemir-stellt-klare-Forderung-an-Deutschtuerken.html

Es klingt emotional nach Einheitsbrei. Denn gerade Stimme und Sprachmelodie in ihrer Natürlichkeit machen verbale Äußerungen greifbar, entscheiden über glaubwürdig oder eben auch nicht.
Selbst Özdemirs Nachruf auf den Altbundeskanzler Kohl an seinem Todestag wirkt in der Collage seiner Politikerkollegen wie eine roboterartige Wahlkampf-Rede aus alten Zeiten statt des wertschätzenden emotionalen Abschiednehmens von einem bedeutenden Politiker.
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-299431.html (bei 1:48)

Warum spricht Cem Özdemir mit so viel Druck? Ist es der Druck, den er selbst verspürt, weil die Grünen laut Aussage des ARD Deutschlandtrends von 57% der Bevölkerung als nicht so wichtig gesehen werden und es mit dem dritten Platz bei der Bundestagswahl eng werden könnte? Oder versucht Özdemir mit dieser Art zu sprechen, das Motto der Grünen umzusetzen: „Zukunft wird aus Mut gemacht“. Ist es Mut, den sich Özdemir mit seiner überbetonten druckvollen Kommunikation selbst zusprechen will?

Wir wissen es nicht. Aber was der Zuschauer ahnt und spürt: So ist dieser Mann in Wirklichkeit nicht. Und mancher wird sich fragen, ob Özdemir so druckvoll auftritt, damit er als Grüner wenigstens gehört wird, wenn schon die Partei für die Mehrheit der Deutschen wohl inhaltlich nicht (mehr) sichtbar ist. Leider ist Druck auf der Stimme das falsche Mittel: Denn Druck auf der Stimme führt häufig dazu, dass Gesprächspartner oder Zuschauer auf Distanz gehen, bewusst oder intuitiv. Druckvolle Sprecher sind anstrengend.

Also: Nicht, wer am meisten künstlichen Druck auf seine Worte gibt, überzeugt andere, sondern wer auf natürliche Weise erklärt, wovon er überzeugt ist. Dann entstehen automatisch laute und leise Töne, lassen sich Emotionen und Haltung erspüren. Und gerade die leisen Zwischentöne im gekonnten Redemix sind es, die neugierig machen, hinhören lassen und gehört werden wollen.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Kathrin Adamski

Kontakt: www.redefluss.de

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