Wahl-Blog 2017: Verlieren und Gesicht wahren – keine leichte Aufgabe


Nicht gewählt werden ist doof. Wahlen verlieren ist doofer. Das kennt jeder aus der Schulzeit, der nicht unter den Ersten fürs Völkerballteam ausgewählt wurden.

Juliane Hielscher, 27.03.2017

Das gilt besonders für das Superwahljahr 2017, das mit der Landtagswahl im Saarland begann. Dabei haben es Politiker beim Verlieren besonders schwer. Denn selbst wer sein Ziel nicht erreicht, möchte weiter stark erscheinen, um aus der Opposition heraus oder innerhalb einer Koalition die Geschicke des Landes beeinflussen zu können. Also gilt es im Moment des Verlierens, Fassung und Würde zu bewahren.

Damit das gelingt, investieren die Protagonisten durchaus Zeit in die Vorbereitung, vermutlich auch in ein Medientraining. Ein wichtiger Bestandteil davon ist, Kernbotschaften zu formulieren, damit der Kandidat, die Kandidatin auch im Moment der Aufregung bei Bekanntgabe des Wahlergebnisses weiß, was er oder sie sagen kann.

Die saarländische Wahlverliererin Anke Rehling von der SPD hat dafür Paradebeispiele geliefert – leider keine guten. Gleich mit der ersten Hochrechnung um 18.00 Uhr war klar, es wird im Saarland weder rot-rot geben noch eine Ministerpräsidentin Rehlinger. Im Gegenteil: die Sozialdemokraten verbuchen trotz Schulz-Hype leichte Verluste. Doch Frau Rehlinger war auf diesen misslichen Fall vorbereitet. Egal welches Mikrofon sie vor sich hatte, stets lauteten die Antworten gleich – nahezu wortgleich.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/videos/landtagswahl-saarland-reaktion-anke-rehlinger-100.html

Da war die Rede von dem „guten Ergebnis der Aufholjagd“, nachdem die SPD im Januar ja nur Prognosewerte von 24 Prozent verbuchen konnte. Da war das Eingeständnis der Enttäuschung, weil man auf Sieg und nicht auf Platz gesetzt hatte (was für eine abgedroschene Phrase). Gleich im Anschluss die großmütige Gratulation an die amtierende und zukünftige Ministerpräsidentin. Versehen mit dem Vermerk, dass diese vom Amtsinhaber-Bonus (was ist das doch gleich?) profitiert habe. Und schließlich der Hinweis auf die saarländischen Besonderheiten (welche?).

All dies sollten Erklärungen dafür sein, dass die SPD entgegen der jüngsten Euphorie unter Kanzlerkandidat Schulz schlechter abgeschnitten als erwartet. So war es gleich um 18.28 Uhr im Wahlstudio der ARD zu hören, um 18.40 Uhr beim ZDF, in einer anderen Interviewsituation, um 19.00 Uhr in der großen Runde in der Heute-Sendung und ebenso später um 20.00 Uhr in der Tagesschau.

Fünf Kernbotschaften – jede für sich gar nicht so dumm erdacht – doch in der Wiederholung als vorbereitetes Statement zu erkennen und deshalb mit seltsamen Folgen: Anke Rehlinger wirkte zwar selbstbewusst, aber auch wie eine Sprechpuppe, der man die Inhalte nicht wirklich abnimmt. Aussagen wirken im Fernsehen nur überzeugend, wenn sie authentisch und je nach Situation frei formuliert werden – so wie jeder neue Gedanke, den wir aussprechen.

Deshalb lautet die Moral von der Geschicht‘:
Vorbereitete Kernbotschaften sind gut.
Runtergerattert helfen sie dem Verlierer nicht!

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Juliane Hielscher

Kontakt: www.juliane-hielscher.de

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