Zuviel Energie
Stefan Korol, 24.03.2011
Zum Interview mit Johann Köppel, Umweltplaner an der TU Berlin
(MDR aktuell, 22.03. 21.45 Uhr)
Dienstagabend, 21.45 Uhr; MDR aktuell: Klassisches Sachinterview – und klassische Fehler des Experten und Interviewpartners.
Hier nur die erste Frage und die erste Antwort:
Frage: Herr Köppel, können wir denn zügig aus der Kernenergie aussteigen, wenn wir das wirklich wollen?
Köppel: „Es gibt ja klare Pläne, wie zum Beispiel im nationalen Energieplan unserer Bundesregierung, hier wurden aufgrund von EU-Impulsen wurde hier ja eine Roadmap entwickelt und die sagt, dass wir von den heute ca. 17 Prozent Anteil Erneuerbarer am Stromverbrauch zum Beispiel mit einer Etappe von 50 Prozent in 2030 und einer weiteren Etappe bis zu 80 Prozent dann bis 2050 sowieso raus wollen, das heißt, das ist überhaupt kein neues Szenario und wenn wir jetzt ungefähr 20 Prozent von Atomenergie den Energiemix mit halten, dann ist das ja allein von den Zahlen her schon mal klar, dass man das leisten kann.“
Lieber Herr Köppel,
Sie haben bestimmt Recht mit Ihrer Einschätzung. Und Sie verfügen mit Sicherheit über sehr viel Fachwissen, sind der richtige Interviewpartner für dieses Thema. Aber: Ich habe, bis auf Ihr abschließendes Fazit („ja, das kann man leisten“) nichts von Ihrer Antwort verstanden und nach Ihrer Antwort nichts davon behalten. Und weil ich mir ziemlich sicher bin, dass das auch den anderen Zuschauern so gegangen ist, haben Sie leider die Chance verpasst, uns kompetent und interessant über das Thema Atomstrom zu informieren.
Das Problem mit und Ihrer Antwort ist ebenso verbreitet wie einfach zu erklären: Sie verstecken Ihre eigentliche und wichtigste Aussage in einer Fülle von Details. Warum sollte es für uns Zuschauer wichtig sein, dass es EU-Impulse gab? Warum der Begriff „Roadmap“? Warum nennen Sie in Ihrer Antwort sechs Zahlen? Und schließlich: Wir können Ihnen einfach nicht folgen, wenn Sie Ihr Wissen in nur einem einzigen Satz präsentieren; 45 Sekunden ohne Punkt, ohne Pause.
Und ohne Struktur. Sie listen eine Vielzahl von gleichwertigen Informationen auf. Nichts (bis auf Ihr Fazit) ist wichtiger oder unwichtiger als das vorangegangene oder nachfolgende Detail. Menschen versuchen aber bei jedem Gespräch, bei jedem Interview herauszuhören: was ist das Wichtige? Was muss ich mir merken? Das bieten Sie uns nicht.
Meine Bitte: Sie sind der Experte. Wählen Sie aus, was das Wichtigste ist. Alles andere lassen Sie weg.
Das gilt auch für Ihre Korrektur in der Begrüßung: Ist es denn für das Thema und damit für uns wichtig, dass Ihre Fakultät „Planen-Bauen-Umwelt“ heißt – und nicht „Planen und Bauen“ wie es der Moderator gesagt hat?
Ihr Zuschauer Stefan Korol

