Im ARD-Brennpunkt: Alexander Hoffmann und sein respektloser Umgang mit erwartbaren Fragen


Manfred Baumann, 27.07.2026

Vorneweg zur Klarstellung: Ein Interview im Fernsehen, ist kein Wettkampf! Es geht nicht darum, den Interviewpartner möglichst oft ins Leere laufen zu lassen. Nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte Alexander Hoffmann (CSU), Spahns Stellvertreter, dazu im ARD-BRENNPUNKT eine eigene Auffassung.

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Respekt

Man sollte meinen, dass es sich gehört, auf Fragen entsprechend zu antworten. Wieso sonst gibt man als Politiker eine Interviewzusage? Markus Preiss, ARD-Moderator, startet sein BRENNPUNKT-Interview mit der Frage, warum – nach Auffassung des Kanzlers - der Rücktritt Spahns unvermeidlich gewesen sei.

Was sagt der Stellvertreter von Jens Spahn? Was sagt man, wenn der Rollenkonflikt so offensichtlich ist? Was sagt man, wenn die Öffentlichkeit genau auf diese Frage eine ehrliche Antwort erwartet? Entscheidung Hoffmann: „Da steht es mir nicht zu, die (Entscheidung) zu kommentieren“. Viele Zuschauende werden das anders sehen: Doch! Du bist der Stellvertreter, du stehst mitten im Geschehen - von dir erwarten wir einen Kommentar!

Um nicht kleinlich zu sein: Natürlich gibt es Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Und wenn dann eine Aussage eher ungenau ausfällt, wird dies von keinem übel genommen. Doch grundsätzlich gilt: Nur wer Interviewer und Publikum respektiert, kann überzeugen.

Ein weiteres Beispiel.
Frage Markus Preiss: Ist Jens Spahn Opfer seiner eigenen Überheblichkeit geworden? Antwort Alexander Hoffmann: „Zur Arbeit von Jens Spahn gehört, dass er hervorragende Arbeit als Fraktionsvorsitzender geleistet hat. Gerade in den letzten Wochen hat er unter Beweis gestellt, dass er ein Stabilitätsfaktor in diese Koalition ist. Im Rahmen dieses 34 Punkte-Pakets, das wir im Koalitionsausschuss geschmiedet haben. (unverständlich) … Kraftakt gewesen ist.“ Frage und Antwort stehen in keinem Zusammenhang!

Markus Preiss fasst noch zweimal nach – Hoffmann spricht auswendig gelernte Sätze. Das ist respektlos. In der Fußballsprache: ein Eigentor.

Genau hier zeigt sich, worauf es in Kommunikation bis heute ankommt: nicht auf Lautstärke, sondern auf Relevanz, Orientierung und Glaubwürdigkeit. Nur wenn das Gesagte für die Gruppe einen Unterschied macht, entsteht Aufmerksamkeit.


Glaubwürdigkeit

„Politiker halten sich nicht an die Regeln, die sie selbst gemacht haben. Wie groß ist der Schaden, den Jens Spahn für die CDU - und das hört man ja auf jedem Marktplatz - angerichtet hat?“ fragt Markus Preiss.

Natürlich ist man als Zuschauender gespannt auf die Antwort. Hat die konkret gestellte Frage doch eine allgemeine Bedeutung: Wie steht es um die Glaubwürdigkeit von Politikern heute? Als mögliche Antwort bietet sich an, dass glaubwürdig nur ist, dessen Worte und Taten übereinstimmen. Alexander Hoffmann entscheidet sich für diese Antwort: „Ich würde sagen, dass in Sachen Glaubwürdigkeit sowohl die Koalition und im Übrigen auch die Unionsfraktion dort keinen Schaden genommen hat…!“ Fatal an dieser Antwort ist, dass man sich unwillkürlich über die Glaubwürdigkeit des Antwortgebers Gedanken macht. Aus Sicht des Medientrainers würde diese Aussage zumindest als „leichtsinnig“ bewertet.


Vorbereitung

Wir Medientrainer_innen bereiten Interviewpartner auf unangenehme Fragen vor. Dazu zählt grundsätzlich, sich vorher zu überlegen, welche Fragen sich die BRENNPUNKT-Redaktion ausgedacht haben könnte. Und wie Antworten lauten könnten.

Antwortbeispiel: „Der Öffentlichkeit war nicht zu vermitteln, dass Jens Spahn sich in der politischen Diskussion gegen eine Leihmutterschaft ausspricht, aber persönlich dann nicht danach handelt. Davon ist aber unberührt, dass er über viele Jahre eine gute Politik für die CDU und für unser Land gemacht hat.“

Wer so oder ähnlich antwortet, wird beiden Seiten gerecht. Mit so einer Antwort würden Interviewpartner, Interviewer und Zuschauende gewinnen. Warum entscheidet sich Alexander Hoffmann statt für eine Win-win-win-Lösung für Lose-lose-lose? Diese Frage bleibt für mich ein Rätsel.

Mit sorgfältiger Vorbereitung kann ein Interview ein Erfolg werden; für den Interviewten, für den Interviewer und für das Publikum. Grundsätzlich müssen vor einem Interview – neben der inhaltlichen Diskussion - zwei Fragen geklärt werden: Mit wieviel Respekt begegnet man denen, die zuhören? Und wie gelingt es, die eigene Glaubwürdigkeit zu halten oder sogar zu erhöhen?

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autor

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Manfred Baumann

Kontakt: www.contactu.solutions

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