Die Top-Manager*innen deutscher Konzerne nutzen Videos immer häufiger als Führungs- und Kommunikationsinstrument – mit großer Bandbreite: Ein TV-Interview zur geopolitischen und wirtschaftlichen Lage, ein Jahresrückblick als Dankeschön an die Belegschaft, ein Statement zum Capital Markets Day. Bei der Qualität existieren immense Unterschiede, wie sich in den Bewertungen zeigt.
Die achtköpfige Jury analysierte Videos der Dax-40-CEOs aus dem Kalenderjahr 2025. Als Quellen wurden die Kanäle LinkedIn, YouTube, Facebook und TikTok berücksichtigt.
Die Jury beurteilte die drei Ebenen der Kommunikation – visuell, akustisch und inhaltlich. Leitfragen waren zum Beispiel:
Diese Erfolgsfaktoren vor der Kamera hat die Jury des BMTD auf Basis eines wissenschaftlich fundierten Analyserasters bewertet. And the winner 2026 is…
Bei vielen CEOs merkt man, dass
sie ablesen.
>> Teleprompter
birgt Gefahren.
Es ist schade: Da berichten CEOs von einem positiven Geschäftsjahr. Und sagen den Mitarbeitenden Danke. Inhaltlich stimmig und was die Intention betrifft, lobenswert. Doch irgendwie haben die Betrachtenden das Gefühl, dass das Gesagte nicht wirklich so gemeint ist. Ursache sind häufig Texte, die vom Teleprompter abgelesen werden. Die Lösung: Mit Stichpunkten arbeiten. Vor allem in Passagen, die ein „Danke“, „ich freue mich“ o. ä. ausdrücken. Juristisch sensible Sätze kann man dann immer noch vollständig ablesen.
Hände und Finger signalisieren
häufig Nervosität.
>> Viel Potenzial
bei Haltung in Ruheposition.
Einer der häufigsten Punkte, die schnell verbesserbar sind, ist die Arm-Hand-Haltung in Ruhephasen. Oft sind die Hände vor dem Körper pastoral verschränkt – was gehemmt wirkt. Noch negativer wirkt es, wenn die Finger aneinander reiben. Nach Meta- Studien wird das von den meisten Zuschauern als nervös oder unsicher interpretiert. Bewusste Gestik verhindert das.
5 der Top-Ten-Videos dauern
nur rund 2 Minuten
>> Kurz und
klar ist Trumpf.
Ob Jahresrückblick, Ausblick, Capital Markets Day oder Abschiedsstatement nach Jahrzehnten: Die Hälfte der zehn besten Videos dauerten nur rund zwei Minuten. In Zeiten des Information-Overflow macht das absolut Sinn. Die Zahl langer, staatstragender Reden hat drastisch abgenommen.
Viele CEOs präsentieren eintönig.
>> Variieren, Vraieiern, Vaierirne,
Variieren.
Theoretisch ist`s jedem klar, praktisch wird`s sehr oft nicht beachtet. Um Inhalte glaubwürdig und überzeugend zu vermitteln, gilt es vor allem mittels Mimik, Gestik und Sprechweise zu variieren. Schnell versus langsam, laut versus leise, intensiv versus reduziert etc. Und zudem wirkungsvoll Pausen einsetzen. „Kenn ich“ ist offensichtlich nicht gleich „kann ich“.
Das Setting wird sichtbar professioneller.
>>Auch Hintergründiges
wirkt.
Hier gibt`s verglichen zu den Vorjahren eine positive Entwicklung. Bildhintergründe werden sicht- und spürbar bewusster gestaltet – flankieren häufig die Inhalte. Das muss nicht aufwändig sein – gute Beispiele sind Qiagen-CEO Thierry Bernard im Labor oder die CEOs von Adidas und Siemens, Björn Gulden und Roland Busch, die ihre Auftritte in kleinen TV-Studios vor Green Screens starten.
Sprechweise und Stimme werden
unterschätzt.
>> Der Ton macht
die Musik.
Viele CEOs nutzen ihre Stimme und Sprechweise zu wenig gezielt, um das Gesagte zu akzentuieren. So ist die Kategorie „akustisch“ die am schlechtesten bewertete. Und bei vielen der Unternehmenslenker hört man kaum Unterschiede, was Sprechtempo, Tonhöhe, Lautstärke etc. betrifft.
Social-Media-Trends werden
zunehmend beachtet.
>> Das
Uninszenierte wird inszeniert.
In einigen der Videos war der Einfluss von Social-Media-Trends klar sichtbar. Weg vom total perfekten, fast „cleanen“ Auftritt, hin zu vermeintlich auf die Schnelle gedrehten Videos. Beispiele sind Making-ofs, in denen „misslungene“ Sequenzen zu sehen sind, CEOs in legerer Kleidung und die bereits erwähnten sichtbaren Green Screens in kleinen TV-Studios.
Die BMTD-Jury hat über 18 Monate die konzeptionellen und wissenschaftlichen Voraussetzungen für den CEO Video Excellence Award geschaffen. Unter anderem initiierte sie eine Meta-Studie mit der Ludwig-Maximilians-Universität in München zu Erfolgsfaktoren vor der Kamera.
Weitere, wissenschaftliche Unterstützung kam von Prof. Oliver Niebuhr von der Universität Süddänemark. Niebuhr und sein Team setzen einen Algorithmus ein, der wie ein „Durchschnitts-Ohr“ die akustischen Leistungen der CEOs wahrnimmt. Er bewertet Aspekte wie Sprechtempo, Tonhöhe, Länge der Sätze, besondere Betonungen und Pausen.
In Summe wertet die Jury des BMTD 16 Kriterien anhand des Analyse-Rasters aus.
Über das Ranking hinaus gibt die Jury im individuellen Feedback an die CEOs wertvolle Hinweise für einen professionellen Auftritt vor Mikrofon und Kamera.
DIE JURY
Wissenschaftlich begleitet wurde
die Entwicklung des Awards und des
Bewertungsrasters von Professor
Dr. Hans-Bernd Brosius vom Institut
für Kommunikationswissenschaft
und Medienforschung der Ludwig-
Maximilians-Universität München.